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Inkunabeln oder Wiegendrucke (von lat. incunabula, „Windeln, Wiege“) sind mit beweglichen Lettern gedruckte Schriften, die zwischen der Gutenberg-Bibel (1454) und ca. 1500 hergestellt wurden. Bücher, die im frühen 16. Jh. erschienen und sich ebenfalls noch eng an Handschriften anlehnen, nennt man "Post-Inkunabeln".
Ähnlich wie beim Start des Internets in den 1990er Jahren, als eine Internetseite als besonders gelungen galt, wenn sie aussah wie eine gedruckte Seite, orientierten sich Inkunabeln in Format, Typografie und Illustration eng an mittelalterlichen Handschriften. Erst im 16. Jh. emazipierte und modernisierte sich der Buchdruck zu einer eigenen Disziplin.
Drucker nannten sich nun selbstbewusst in den von ihnen gedruckten Werken, die sie auch vertrieben. Dies war v.a. auch deswegen notwendig, da es kein Urheberschutzgesetz gab und erfolgreiche Werke sehr schnell ohne Lizenzzahlung kopiert wurden.
Die Zahl der weltweit erhaltenen Inkunabeln wird auf rund 27.500 Werke bei einer Gesamtzahl von 550.000 Exemplaren geschätzt.

Valerius Maximus. Peter Schöffer: Mainz 18. Juli 1471

Incipit Ex Bibliotheca Gymnasii Altonani (Hamburg)
gehört nicht zur Sammlung Buchner

An diesem Beispiel sieht man schön, wie der gedruckte Text ganz im Stil einer Handschrift mit einer farbigen Initiale sowie weitere Verzierungen per Hand ergänzt wurde.​​

In der Sammlung Buchner ist die Inkunabelzeit schwach mit nur zwei Post-Inkunabeln vertreten:
Geiler von Keisersperg, Johann:
Das irrig Schaf u.a. Geschichten
Straßburg, Grüninger, 1514

 

 

Abb.: Blatt LXVIv: Der Eschengrüdel

(eine der frühesten Darstellungen des durch das Märchen unsterblich gewordenen "Aschenbrödel")​

 

 

Mehr über Johann Geiler von Kaysersberg (auch Johannes bzw. in Frankreich Jean) (* 16. März 1445 in Schaffhausen; † 10. März 1510 in Straßburg), der als der bedeutendste deutsche Prediger des ausgehenden Mittelalters gilt, finden Sie hier in Wikipedia.

 

Seite aus Buch III: In der Mitte befindet sich der eigentliche Text, die umhüllenden Texte sind Kommentare; am Rand handschriftliche Notizen aus späteren Jahrhunderten. Die Schriftart , die Anfangsbuchstaben sowie Kapitalzeichen erinnern an mittelalterliche Handschriften, bei denen diese Elemente farblich hervorgehoben waren zur besseren Gliederung. Hier wurden sie einfach in Schwarz eingedruckt.

Augustinus, A,:
De civitate dei -
De summa trinitate.
Basel, A. Petri für
J. Koberger, 1515

Holzschnitt auf der Titelrückseite: Augustinus am Schreibpult, darunter Abel und Kain vor den Toren Zions und Babylons, die für das Reich Gottes und des Teufels stehen.